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So verhinderst du Hagelschäden an Immobilien

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Inhaltsverzeichnis

Der Hagelsturm ist eine Naturgewalt, die jeden treffen kann. Was viele Leute nicht wissen: Zahlreiche Hagelschäden lassen sich durch Vorsichtsmassnahmen zur richtigen Zeit verhindern. Denn mit dem richtigen Wissen bist du dem Hagel nicht schutzlos ausgeliefert.

Dieses Knowhow vermittelt im heutigen Baublog Meteorologin Dörte Aller, Verantwortliche beim SIA für Klima und Naturgefahren. Du erfährst viel Wissenswertes rund um das Wetterphänomen Hagel. Wir sprechen ausserdem über hagelresistente Materialien, die Hagelkarte und die häufigsten Arten von Schäden, welche die Eisklumpen an Immobilien anrichten. Dabei bekommst du wichtige Tipps, wie du das Schadensrisiko minimierst.

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Was zählt eigentlich als «Hagel»?

Als Meteorologin kennt Dörte natürlich die Definition: Das Korn muss grösser sein als 0,5 Zentimeter und aus Eis bestehen. Was kleiner ist, wird als «Graupel» bezeichnet.

Das Eis von Hagelkörnern ist aber nicht so beschaffen wie das Eis in deinem Drink, das in viele Teile zersplittert, wenn man es fallenlässt. Hagelkörner entstehen in Wolken, fallen runter, schmelzen dabei bisschen an, steigen mit dem Aufwind wieder hoch – und wachsen so. Dadurch erhalten sie eine aus Schichten bestehende Form, können aber auch verklumpen oder sogar eckig oder flach werden.

Wie oft hagelt es in der Schweiz?

Dieses Jahr waren viele Gebiete von Hagel betroffen – teilweise mehrmals, teilweise mit sehr grossen Hagelkörnern. Das Ereignis vom 28. Juni 2021 war flächenmässig mit rund 9’000 km2 das zweitgrösste Schweizer Hagelereignis in der seit 2002 verfügbaren Datenreihe. Die grossen Hagelkörner mit 5 bis 7 cm waren sehr aussergewöhnlich; sie sind jedoch nur in einem kleinen Gebiet gefallen.

Was sich viele nicht bewusst sind: In der Schweiz gibt es durchschnittlich 33 Hageltage im Jahr. Diese sind hauptsächlich über das Sommerhalbjahr verteilt. Dabei gibt es jedoch regionale Unterschiede.

«Häufiger betroffen von Hagelkörnern ist das Tessin, aber auch etwa das Emmental und der Jura.»

Im Südtessin gibt es durchschnittlich drei Tage im Jahr, an denen diese eisige Form von Niederschlag auftritt. Manchmal sind es sogar bis zu zehn Tage im Jahr! Handkehrum gibt es Orte im inneralpinen Raum, wo es jahrzehntelang nicht mehr gehagelt hat.

Die Hagelkarte als Hilfsmittel

Forschungen haben gezeigt, dass man an fast jedem Ort in der Schweiz etwa alle 10 Jahre mit Hagelkörnern von der Grösse von 2 Zentimetern rechnen muss. Weniger häufig kommt das vor in Teilen vom Wallis, in den inneralpinen Gebieten und in Graubünden. Einmal in 50 Jahren muss man vielerorts in der Schweiz mit Hagelkörnern von einem Durchmesser von 3 Zentimetern rechnen. Die Gebäudehülle sollte daher mindestens 3 Zentimeter grossen Hagelkörnern schadlos widerstehen können. Die Norm SIA 261/1 fordert diese Widerstandsfähigkeit von Gebäuden gegenüber Hagel.

Wie grosser Hagel an deinem Standort grundsätzlich zu erwarten ist, kannst du auf der Hagelkarte ablesen. Du findest die Karte hier auf der Website «Schutz vor Naturgefahren». Dörte findet, die Karte sollte bei Bauherren und Architekten viel bekannter sein. Diese würden nämlich dazu tendieren, dem Thema zu wenig Aufmerksamkeit zu schenken und es zu unterschätzen.

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Arten von Hagelschäden an Immobilien

Zum einen gibt es Beschädigungen am Material, die rein ästhetischer Natur sind. Es können aber auch Teile wie zum Beispiel Dachziegel durch die Körner kaputtgehen. Wenn noch Wind dazukommt, beschleunigt das die Körner, was zu grösseren Hagelschäden führt. Weiter können riesige Massen an kleinen Eiskörnern Durchflüsse am Dach oder auf dem Vorplatz verstopfen.

Die häufigsten Schäden betreffen die Lamellenstoren, aber auch Bleche, Kunststoffe und Wärmedämmverbundsysteme. Auf Flachdächern lohnt sich ebenfalls ein Kontrollgang, um Abspannungen oder Versprödungen vor dem nächsten Hagel beheben zu lassen. Glasscheiben gehen heute immer weniger zu Bruch. 3-Zentimeter-Körner können alte und dünne Scheiben durchschlagen; der heutige Glasstandard und auch Solaranlagen überstehen normalerweise Hagelkörner von dieser Grösse.

Unter dem Strich sind Storen das Hauptproblem. Runtergelassene Storen sind zwar sehr empfindlich, aber im Gegensatz zu anderen Baumaterialien kann man sie einziehen. Doch intuitiv haben die Bewohner das Gefühl, man müsse bei Hagel mit dem Storen das Glas schützen, was ein Fehler ist.

«Die Glasscheibe hält mehr aus als die Storen.»

Möchte man die Storen nun tatsächlich hagelsicher machen, müsste man dafür ein sehr dickes Blech nehmen. Da ist es unkomplizierter, du ziehst den Storen einfach ein. Dafür gibt es ja heute intelligente, automatische Systeme.

Das richtige Material

Im Rahmen von Materialtests werden in einem künstlichen Setting Bauteile mit Hagelkörnern beschossen. Wer da einmal live zuschaut, habe danach eine ganz andere Sicht auf das Thema, sagt Dörte.

«Hagelschäden haben nämlich nicht nur mit den Hagelkörnern zu tun, sondern auch mit den Materialien, auf die sie treffen.»

So kann man quasi mit empirischen Experimenten sehen, dass beispielsweise mit einem dickeren Blech der Hagel keinen Eindruck hinterlassen würde.

Es lohnt sich also als Bauherr, sich mit der Robustheit der Bauteile auseinanderzusetzen. Im Hagelregister findest du für alle empfindlichen Materialien besser geeignete Alternativen. 

Weitere spannende Infos…

…zum Thema Hagelschäden findest du auf der Seite Schutz-vor-Naturgefahren.ch und auf der Seite vom NCCS. Mehr Informationen zum Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein gibt es hier.

Wenn dir dieser Baublog zum Thema Hagelschäden gefallen hat, würde ich mich riesig über eine Bewertung und einen positiven Kommentar auf iTunes freuen. Mehr zu intelligenten Sonenschutzsysteme findest du übrigens in diesem Baublog.

Beste Grüsse
Marco

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