
Deshalb wird jetzt nachhaltig gebaut
Mit den spürbaren Auswirkungen der Klimaerwärmung und der Ressourcenknappheit verlangen immer mehr Menschen in der Gesellschaft nachhaltige Lösungen in allen Bereichen des Lebens. Clemens spricht hier von einem «sozialen Druck», dem auch die Bauherren und Investoren ausgesetzt sind. Gleichzeitig gibt es zudem ganz konkrete Vorschriften der Regierungen: Die Schweiz etwa will offiziell bis ins Jahr 2050 ein klimaneutrales Land sein. Dazu kommt, dass die Kosten für fossile Energieträger massiv angestiegen sind und langfristig vermutlich weiter ansteigen.Ganzheitliche CO2-Bilanz
Bis vor ein paar Jahren war es üblich, bei der Frage nach dem CO2-Fussabdruck vor allem die Herstellung eines Produktes zu analysieren: Was steckt in den Rohstoffen und wie werden sie produziert? Heute ist man weitsichtiger. Es werden auch die Transporte auf die Baustelle und die dortige Verarbeitung in die Rechnung einbezogen. Das gilt ebenso für allfällige spätere Reparaturen und Wartungen. Dabei geht man von einer Einsatzdauer von 50 Jahren aus. Eine Putzfassade beispielsweise musst du nach ein paar Jahren streichen, was wieder einen CO2-Abdruck verursacht. Und schliesslich muss man noch berücksichtigen, was mit den Produkten passiert, wenn man sie am Ende entsorgen muss. Das alles braucht es für eine aussagekräftige Berechnung des CO2-Fussabdrucks.
CO2-Fussabdruck: Beispiel Porenbeton
Im Porenbeton stecken Kalk und Zement als Bindemittel; dazu noch Sand, Wasser und ein Porenbildner. Die Bindemittel sind sehr CO2-intensiv. Damit ist das Zwischenergebnis für den Porenbeton an dieser Stelle nicht optimal. Aber wie wir oben gesehen haben, ist die CO2-Rechnung hier noch längst nicht abgeschlossen. Dann wird das Produkt in Form gebracht und gehärtet. Dafür braucht es 200 Grad heissen Wasserdampf, den man natürlich mit Energieaufwand erzeugen muss. Dies geschieht bei Xella momentan noch mit fossilen Brennstoffen. Dann geht’s auf die Baustelle. Der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen und Abfällen ist ebenfalls ein Aspekt der Nachhaltigkeit. Am meisten punktet man beim Thema Abfall logischerweise, wenn überhaupt kein Abfall entsteht. Xella liefert aus diesem Grund mittlerweile Produkte fertig konfektioniert auf die Baustelle, wodurch dort kein Verschnitt mehr anfällt. Gleichzeitig verwendet das Unternehmen 100 Prozent der anfallenden Produktionsabfälle weiter. Beim Rückbau und Wegtransport schliesslich entsteht auch wieder CO2, das in die Gesamtrechnung einfliesst. Xella entwickelt derzeit Projekte mit Partnern, um Porenbeton nach dem Abriss zu recyceln: Es besteht die Möglichkeit, das Material wieder in den Produktionsprozess reinzubringen. Ein anderes Beispiel für Wiederverwertung: In der Schweiz setzt die Firma Holcim Porenbeton-Abfälle als Feinzuschläge in ihren Mörtelprodukten ein.Porenbeton vs. Holz
Der Holzbau boomt – darüber haben wir etwa in diesem früheren Baublog berichtet. Doch wie schneidet dieser nachwachsende Rohstoff nun im Vergleich zum Porenbeton ab, wenn es um den CO2-Fussabdruck geht? Das Holz stammt von Bäumen, die CO2 aus der Atmosphäre absorbieren und in ihrem Gewebe und ihren Wurzeln einlagern. Somit startet dieser Rohstoff mit einer sehr guten negativen CO2-Bilanz. In den Produktionsstätten (zum Beispiel in einem Sägewerk) wird hingegen Energie benötigt. Die Punkte Verarbeitung und Instandhaltung tragen beim Holz ähnlich wie beim Porenbeton wenig zur CO2-Gesamtrechnung bei. Schliesslich stellt sich dann aber noch die Frage, wie sich Holz verwerten lässt, wenn am Ende der Rückbau ansteht. Oftmals kommt es dann einfach zur thermischen Verwertung. Mit anderen Worten: Es wird verbrannt. Dabei wird das im Holz gespeicherte CO2 natürlich freigesetzt. Der Pluspunkt der negativen Bilanz zu Beginn ist damit gestrichen. Das CO2 im Holz verschwindet also nicht einfach für immer aus der Atmosphäre, vielmehr befindet es sich dort in «Zwischenlagerung». Weil wir die Rechnung ja ganzheitlich machen wollen, müssen wir noch berücksichtigen, dass durch die Holzverbrennung wiederum Energie frei wird, die man nutzen kann. Wenn es um den CO2-Abdruck eines gesamten Gebäudes geht, spielt die Nutzung ebenfalls eine grosse Rolle. Welche Energien benötigt man, um das Haus bewohnbar zu machen? Hier hat ein Massivbaustoff gegenüber dem Holz den Vorteil, dass er die Wärme des Tages besser speichert, was Heizkosten spart. Laut Clemens sind das auf 50 Jahre hochgerechnet einige Tonnen an eingespartem CO2.