Fenstermontage ist heute weit mehr als reines Handwerk. Mit immer grösseren Fensterelementen, höheren Gewichten und steigenden Anforderungen an Qualität, Termine und Arbeitssicherheit wird sie zu einer echten logistischen und planerischen Herausforderung. Wer hier zu spät oder ungenügend plant, zahlt am Ende doppelt – mit Verzögerungen, Zusatzkosten und gesundheitlichen Folgen für die Monteure.
In diesem Baublog nutzen wir das Fachwissen von Andreas Bachmann von der Bachmann Montagen GmbH und Jonathan Barwig von der 1a hunkeler fenster AG. Du erfährst unter anderem, worauf es bei einer modernen, körperschonenden Fenstermontage wirklich ankommt – aus Sicht der Montage, der Fensterplanung und der Baustellenorganisation.

Fenster werden grösser – die Belastung auch
Der architektonische Trend ist klar: grosse Glasflächen, viel Licht, raumhohe Elemente. (Über solche und weitere Fenstertrends haben wir bereits in diesem früheren Blog berichtet.)
Was gestalterisch überzeugt, bringt auf der Baustelle neue Herausforderungen mit sich. Fensterelemente und Gläser wiegen heute nicht selten 150, 300 oder sogar 400 Kilogramm. Diese Lasten manuell zu bewegen, ist weder zeitgemäss noch verantwortbar.
Das Ziel moderner Fenstermontage ist deshalb klar definiert: Lastentransport vermeiden, Hebemittel einsetzen und körperliche Belastungen drastisch reduzieren. Denn nur so bleiben Fachkräfte langfristig gesund – ein entscheidender Punkt in Zeiten des Fachkräftemangels.

Körperschonung beginnt in der Planung
Ein zentraler Punkt aus dem Gespräch: Körperschonende Fenstermontage beginnt nicht auf der Baustelle, sondern in der frühen Planungs- und Devisierungsphase.
Bereits bei der Ausschreibung müssen zentrale Fragen beantwortet sein:
- Wie gelangen grosse Fensterelemente ins Gebäude?
- Wo befinden sich die Einbringöffnungen?
- Sind Gerüste, Podeste und Öffnungen auf die Fenstergrössen abgestimmt?
- Gibt es ausreichend Platz für Umschlag, Zwischenlagerung und Sortierung?
Wird dies versäumt, entstehen Wartezeiten, Improvisationen und unnötige Mehrkosten – obwohl die Technik längst verfügbar wäre.

Gerüst, Podeste und Zugänglichkeit: oft unterschätzt
In der Praxis zeigen sich laut den Experten immer wieder dieselben Schwachstellen:
- Gerüstläufe auf falscher Höhe
- Öffnungen zu klein für Balkontüren oder grosse Elemente
- Fehlende oder falsch positionierte Podeste
- Schwellen mit Kanten, die den Transport mit Rollwagen verhindern
Besonders problematisch ist es, wenn Anpassungen erst auf der Baustelle erfolgen können. Produktanpassungen vor Ort führen fast immer zu Verzögerungen und Qualitätsrisiken und sollten daher unbedingt vermieden werden.
Der klare Appell: Gerüstbauer, Fensterbauer und Montagefirma müssen frühzeitig eingebunden werden. Was auf Grossbaustellen Standard ist, wird auf kleineren Baustellen noch zu oft vergessen.

Fenstermontage-Checkliste für reibungslosen Ablauf
Um typische Fehler zu vermeiden, wurde in der Praxis eine strukturierte Checkliste entwickelt. Sie dient Architekten, Bauleitern und Projektleitern als Vorbereitungshilfe und umfasst unter anderem:
- Ist der Bau dicht (kein Wassereintritt von oben)?
- Sind Bauzeitabdichtungen an Schwellen und Anschlüssen ausgeführt?
- Sind Podeste, Gerüstöffnungen und Höhen korrekt?
- Ist der Kran organisiert und verfügbar?
- Gibt es einen ausreichend grossen Lager- und Umschlagplatz?
- Sind Zufahrten für LKW und Tieflader gewährleistet?
Solche Checklisten sind kein bürokratischer Mehraufwand, sondern sparen Zeit, Geld und Nerven – für alle Beteiligten.
Just-in-time braucht perfekte Vorbereitung
Fenster werden heute in der Regel just in time geliefert. Das bedeutet kein Wochenpuffer; Kran, Montagepersonal und Hebegeräte sind exakt eingeplant.
Wenn Gerüste die Arbeit blockieren, Podeste fehlen oder Materialien nicht verteilt werden können, steht die gesamte Montage still. Die Folge: Regiestunden, Terminverschiebungen und Frust auf allen Seiten.
Jede Wartezeit wirkt sich direkt auf Kosten und Terminplan aus.

Modernste Hilfsmittel statt Muskelkraft
Zentral für eine körperschonende Fenstermontage ist der gezielte Einsatz technischer Hilfsmittel. Dazu gehören:
- Rollwagen für Fensterrahmen
- Glasböcke für den Transport schwerer Scheiben
- Vakuum-Sauggeräte für Gläser
- Hebegeräte fürs präzise Einsetzen
Der Ablauf ist klar strukturiert: Gläser werden nahe am Einbauort positioniert, mit Vakuumtechnik gedreht, auf Transportwagen abgelegt und anschliessend maschinell in den Rahmen eingesetzt. So werden Rückenbelastungen minimiert und Beschädigungen praktisch ausgeschlossen.
Auch wenn der Einsatz solcher Hilfsmittel auf den ersten Blick etwas mehr Zeit beanspruchen kann, überwiegen die Vorteile deutlich: weniger Glasbruch, weniger Personenschäden und eine höhere Montagequalität.
Gesundheit als wirtschaftlicher Faktor
Rückenprobleme sind eine der häufigsten Ursachen für Ausfälle im Montagebereich. Jeder krankheitsbedingte Ausfall bedeutet gleichzeitig Produktionsverlust, Terminrisiken, Zusatzkosten sowie den Verlust von Know-how.
Körperschonende Montage ist deshalb kein Nice-to-have, sondern ein klarer wirtschaftlicher Faktor. Wer seine Fachkräfte langfristig halten will, muss ihre Gesundheit schützen!

Kosten und Kalkulation der Fenstermontage
Montagefirmen kalkulieren saubere Abläufe – keine Wartezeiten. Verzögerungen, die durch mangelnde Vorbereitung entstehen, werden zwangsläufig kostenwirksam.
Für Bauherren bedeutet das: Gute Vorbereitung senkt Gesamtkosten; saubere Logistik reduziert Nachträge; schonende Fenstermontage erhöht die Lebensdauer der Bauteile.
Ein Fenster ist letztlich ein hochwertiges Möbelstück, das in den Rohbau eingebracht wird. Je sorgfältiger dieser Prozess abläuft, desto geringer sind spätere Schäden, Reklamationen und Garantieansprüche.
Fazit: Gute Planung schützt Gesundheit und Budget
Körperschonende Fenstermontage ist kein Spezialthema für einzelne Profis, sondern eine Gemeinschaftsaufgabe von Planung, Bauleitung, Ausführung und Bauherrschaft. Wer frühzeitig alle Beteiligten einbindet, Hilfsmittel einplant und die Baustellenlogistik ernst nimmt, profitiert mehrfach: gesunde Monteure, reibungslose Abläufe und langfristig tiefere Baukosten.
Äusserst relevante und hilfreiche Unterlagen zum Thema Baulogistik findest du unter: http://www.suva.ch/optibau