Bereits in den ersten Bauphasen werden die Grundlagen gelegt, die sich später nicht mehr einfach korrigieren lassen. Mit klaren, einfach umsetzbaren Kontrollen kann jeder Bauherr die Qualität des Rohbaus prüfen – auch ohne bautechnisches Fachwissen.
Im Folgenden werden sieben zentrale Punkte beschrieben, die beim Rohbau besondere Bedeutung haben. Jeder dieser Punkte entscheidet darüber, ob der Bau reibungslos weitergeführt werden kann oder ob später Verzögerungen, Kostensteigerungen und Mängel entstehen.

1: Aktuelle und vollständige Pläne
Ein Rohbau kann nur so gut werden wie die Pläne, mit denen gearbeitet wird. Daher müssen auf der Baustelle immer die neuesten Pläne vorhanden sein – und zwar nicht nur die Architekturpläne, sondern sämtliche Unterlagen: Baumeisterpläne; Heizungs-, Lüftungs-, Sanitär- und Elektropläne; Aussparungs- und Einlagepläne.
Diese Unterlagen müssen inhaltlich korrekt, vollständig und vom ausführenden Unternehmer anerkannt sein. Bauherren können dies ganz einfach kontrollieren, indem sie Architekten, Bauleiter oder Polier freundlich fragen, ob aktuelle Pläne vorhanden seien. Ein qualifizierter Baumeister erkennt fehlende oder fehlerhafte Planunterlagen sofort.
Fehlen Pläne oder sind diese widersprüchlich, drohen Falschaussparungen, Umplanungen, Verzögerungen und Kostensteigerungen. In solchen Fällen ist eine Planüberprüfung, gegebenenfalls durch einen externen Fachmann, zwingend.

2: Möglichst schnell dicht
Ein dichtes Gebäude ist die Voraussetzung für jede nachfolgende Arbeit. Feuchtigkeit im Rohbau verhindert Estricharbeiten, Abdichtungen, Fensterinstallationen sowie technische Montagen. Deshalb gilt:
- Wasser darf nicht unkontrolliert ins Gebäude eindringen.
- Öffnungen, Aussparungen und Wandanschlüsse müssen provisorisch geschützt werden.
- Im Erdgeschoss sollte bereits nach dem Mauern der ersten Wände die erste Abdichtung zwischen Bodenplatte und Wand erstellt werden.
Wird diese Abdichtung durchgeführt, bevor das Baugerüst gestellt wird, kann später kein Wasser über das Gerüst ins Gebäude laufen. Das spart immense Trocknungszeit und verhindert Schimmel, Korrosion und Verzögerungen beim Bauen.
Ist dennoch Wasser im Gebäude, muss es abgeführt werden. Eine Baustelle, die tagelang in Pfützen steht, ist ein Sicherheitsrisiko und verhindert ein Austrocknen der Bauteile.
In diesem Blog gibt es 5 Tipps für einen trockenen Rohbau!
3: Sicherheit auf der Baustelle
Eine Baustelle muss so eingerichtet sein, dass sie gefahrlos betreten werden kann – auch vom Bauherrn! Dazu gehören:
- sichere Bautreppen mit Geländern
- geschlossene Öffnungen, insbesondere bei Schächten oder Deckenöffnungen
- korrekt befestigte Bretter als Absturzsicherung
- abgesperrte Grundstückszugänge
- gesicherte Bereiche für Wochenenden
Wer als Bauherr regelmässig Baustellenbegehungen durchführt, benötigt einen ordnungsgemässen, gefahrlosen Zugang. Fehlende Sicherungen können zu schweren Unfällen führen – und im schlimmsten Fall haftet der Bauherr mit.
4: Frühe und korrekte Hauseinführungen
Leitungen wie Strom, Internet, Fernwärme oder Gas müssen frühzeitig ins Gebäude geführt werden. Dies spart später hohe Kosten und verhindert Verzögerungen. Besonders bei Fernwärmeanschlüssen lohnt sich eine weitsichtige Planung: Wird die definitive Heizung früh montiert, kann der Unterlagsboden damit aufgeheizt werden. Es müssen keine mobilen Heizgeräte gemietet werden. Keine teuren provisorischen Stromanschlüsse sind erforderlich.
Für alle Hauseinführungen müssen Termine mit zuständigen Ämtern, Netzbetreibern und Gewerken früh vereinbart werden. Sind Leitungen bereits im Gebäude, müssen sie bis zum Bauabschluss geschützt werden.
5: Kontrolle vor der Rohbauabnahme
Bevor der Rohbau offiziell übergeben wird, sollte der Bauherr selbst eine Kontrolle durchführen. Dabei lassen sich auch ohne Fachwissen gravierende Mängel erkennen:
- Betonrückstände an Wand-Decken-Anschlüssen dürfen nicht sichtbar sein
- Schallschutzlager müssen sauber und frei von Beton sein
- Wände müssen gerade und besenrein übergeben werden
- Abwasseranschlüsse benötigen ein gültiges Prüfprotokoll
Besenrein bedeutet: gründlich gekehrt, ohne Mörtelreste – nicht einfach einmal kurz staubsaugen.
Achtung: Die Rohbauabnahme ist die letzte Chance, sichtbare Fehler ohne Zusatzkosten beheben zu lassen.

6: Kontrolle durch Drittunternehmer
Dieser Punkt wird auf Baustellen am häufigsten vergessen und verursacht später die teuersten Probleme:
Jeder Unternehmer, der seine Arbeiten beginnt, übernimmt das Werk des Vorgängers automatisch. Sobald er arbeitet, gilt der Untergrund als abgenommen, selbst wenn er fehlerhaft ist. Darum sollten folgende Gewerke vor der Rohbauabnahme kontrollieren:
- Unterlagsbodenleger (Ebenheit, Masse, Leitungsführungen)
- Gipser (Wand- und Deckenelemente)
- Fensterbauer (Aussparungen und Masse)
- Heizungs-, Lüftungs-, Sanitär- und Elektroinstallateure
- Plattenleger (Nischen, Dusche, Höhen)
- Fassadenbauer (Geradheit und Ebenheit der Aussenwände)
- Gartenbauer (Höhen und Abläufe im Aussenbereich)
Jede Kontrolle muss schriftlich protokolliert und unterschrieben werden. Lehnt ein Unternehmer die Unterschrift ab, ist eine schriftliche Bestätigung per E-Mail zwingend. Ein einziges fehlendes Protokoll kann später Zehntausende Franken an Mehrkosten verursachen – ein klassischer Baufehler, der täglich vorkommt.
7: Ein aktuelles Rohbau-Terminprogramm
Ohne Terminprogramm ist jeder Bau dem Zufall ausgeliefert. Folgende Termine müssen zwingend enthalten sein:
- Betonage der obersten Geschossdecke
- Rohbauabnahme
- Dichtes Dach (provisorische Abdichtung)
- Installation der Fenster
- Beginn Estrich / Unterlagsboden
Der Termin «Dach dicht» ist einer der entscheidendsten Meilensteine im Rohbau, denn erst mit einem geschlossenen Gebäude können Ausbauarbeiten planbar stattfinden.
Das Terminprogramm des Bauleiters muss mit dem Programm des Baumeisters übereinstimmen; Abweichungen führen zu Konflikten, Verzögerungen und Kostenrisiken.
Zusatz: Der einfachste Bauherren-Check überhaupt
Mit einer zwei Meter langen Wasserwaage können Bauherren selber enorme Qualitätsmängel feststellen: Sind Wände lotrecht? Sind Diagonalen identisch? Gibt es sichtbare Verformungen?
Toleranzen existieren, aber mehrere Zentimeter Abweichung sind niemals akzeptabel.

Fazit: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist…
…besser. Ein erfolgreicher Rohbau hängt nicht von Glück ab, sondern von exakten Überprüfungen zur richtigen Zeit. Fehler im Rohbau sind nicht kosmetisch, sondern strukturell – und daher existenziell. Jede investierte Minute in Kontrolle zahlt sich später mehrfach aus.