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Weshalb der Schwedenschnitt so wichtig ist

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Inhaltsverzeichnis

Der Schwedenschnitt sorgt immer wieder für Diskussionen. Wir werden jetzt für Bauherren, Unternehmer, Investoren und Wohnungskäufer endgültig für Klarheit sorgen. Wann braucht es diese Trennfuge im Innenbereich und wann passieren in der Ausführung die häufigsten Fehler? Ausserdem werfen wir in diesem Baublog einen Blick auf unser nördliches Nachbarland: Wusstest du, dass man in Deutschland den Schwedenschnitt so gar nicht kennt?

Mein Podcast-Gast ist Gipsermeister Armin Waldschmidt, Inhaber und Geschäftsführer von Novapex. Vor der Gründung des Unternehmens in Bassersdorf hat Armin fünf Jahre lang bei einem Gipserbetrieb als Projektleiter gearbeitet. Dabei musste er feststellen, dass es auf unseren Baustellen noch viel Verbesserungspotenzial bezüglich Organisation und Qualität gibt – und genau hier möchte sein Unternehmen ansetzen.

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Was ist der Schwedenschnitt?

Der Schwedenschnitt ist wohl das meistdiskutierte Element der Gipserarbeiten. Mit ihm trennt man Verputze an Sollbruchstellen. Das bedeutet, dass er dort zum Einsatz kommt, wo die Gefahr von Rissbildung besteht. Dies ist etwa der Fall bei Innenecken, bei den Anschlüssen Wand-Wand oder Wand-Decke und bei Fenster-Anschlüssen.

Das Ziel ist ein gleichmässig geöffnetes Bauteil, bei dem keine Risse entstehen können. Auch die Begriffe «Kellenschnitt» oder «Trennschnitt» meinen eigentlich dasselbe, nämlich die Trennung von Verputzen, um Risse zu vermeiden.

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Zur Ausführung

«Der Schwedenschnitt muss immer durch alle Putzschichten hindurchgehen.»

Nehmen wir also an, wir hätten eine Backsteinwand mit einer rechtwinkligen Ecke. Auf den Backstein kommt der Grundputz und dann der Deckputz. Die Trennung muss nun durch all diese Schichten erfolgen. Das heisst auch, die seitlichen Anschlüsse von der Backsteinwand an die Seitenwände müssen komplett durchgeschnitten sein. Oben wiederum, wenn da beispielsweise eine Betondecke ist, muss es ebenfalls komplett durchgeschnitten sein. Dies, damit der Putz der Wand wirklich nur an der Wand hält und keine weiteren Verbindungen hat, die reissen könnten.

Armin ist ja auch als Schadenexperte unterwegs und er weiss: Der nicht komplett durchgeschnittene Putz ist ein häufiger Grund für Bauschäden. Oftmals wird der Deckputz noch geschnitten, aber der Grundputz bleibt unberührt darunter. So kann zu viel Druck auf die Putze kommen, die dann wegbrechen. Weiter ist Farbe im Schwedenschnitt tabu, da sie zu Rissen führen kann – hier ist ein sorgfältiger Maler gefragt.

Beim Vollabrieb ist der Schwedenschnitt übrigens am wenigsten sichtbar. Aufgrund der groben Körnung ist die Trennung nämlich leicht gebrochen. Beim Weissputz sieht man hingegen deutlich eine schwarze Linie, was manche als unästhetisch und störend empfinden.

«Eine Ausführung, mit der man den Schwedenschnitt überhaupt nicht mehr sieht, ist nicht möglich.»

Was sagt die Norm?

«Der Schwedenschnitt muss gemäss SIA 242 vorhanden sein.»

Oftmals arbeiten die Unternehmer nach den Richtlinien des SMGV (Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands), was so vertraglich festgehalten wird. Dort heisst es, dass der Schnitt gerade sein muss und eine Dicke von mindestens 2 Millimetern haben sollte.

Wellenformen und unterschiedliche Dicken musst du als Bauherr nicht akzeptieren. Armin möchte dich aber jetzt nicht dazu animieren, haargenau die Dicke auf den Millimeterbruchteil zu kontrollieren. Wichtig sei, dass bei der Abnahme das Gesamtbild stimmt.

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Tipps für Architekten

Armin rät allen Architekten, sich mit dem Umstand, dass Schwedenschnitte von der Norm vorgeschrieben sind, zu befassen. Das heisst, man muss sich bei der Raumplanung bereits bewusst sein, wohin die Schwedenschnitte kommen werden.

Wenn der Architekt Schwedenschnitte vermeiden möchte, dann sollte er darauf achten, dass er für den Putz einen einheitlichen Untergrund hat. Das heisst, Mischwände wie Backstein zu Beton gilt es dann zu vermeiden. Mögliche Alternativen für die Ästhetik des Schwedenschnitts sind Netzeinbettungen oder Abschlussprofile.

Gerade im Neubau darf man auf keinen Fall auf die Rissprävention verzichten. Dort kommt es während der ersten zwei Jahre immer noch zu Setzungen durch zusätzliches Gewicht.

«Wir haben im Neubau extreme Bewegungen innerhalb des Gebäudes. Deshalb ist es dort besonders wichtig, die Schwedenschnitte wirklich korrekt auszuführen.»

Kennt Deutschland den Schwedenschnitt nicht?

In Deutschland ist der Schwedenschnitt bei Innenecken von Gebäuden nicht verbreitet. Den Trennschnitt oder Kellenschnitt an sich kennt man hingegen schon. Dieser Unterschied hat mit dem Verputzsystem zu tun, wie Armin weiss. In der Schweiz arbeiten wir traditionell mit Grund- und Deckputz – und zwar mit einem sehr harten Material. Dieser Verputz ist weniger dynamisch als der einlagige Gipsputz, der in Deutschland oft verwendet wird.

Zudem sind in Deutschland die Betondecken meist viel dicker, was dazu führt, dass es weniger Bewegung im ganzen Gebilde gibt.

Mehr Infos

Alles über die Firma Novapex findest du auf der Website; das Unternehmen ist ausserdem auf Instagram aktiv. Mit Armin Waldschmidt persönlich kannst du beispielsweise über LinkedIn Kontakt aufnehmen.

Wenn du dich für das heutige Thema interessiert hast, dann ist zu 99 Prozent auch dieser Baublog spannend für dich. Hier geht es darum, die drei häufigsten Fehler beim Grundputz zu vermeiden.

Wenn dir diese Folge weitergeholfen hat, würde ich mich riesig über eine Bewertung und einen positiven Kommentar auf iTunes freuen.

Beste Grüsse
Marco

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