
Was ist denn überhaupt BIM?
BIM steht für «Building Information Modeling». Es handelt sich um eine Prozessbeschreibung, wie man mit digitalen Mitteln plant, baut und betreibt. Man erstellt dabei 3D-Modelle, um Simulationen und darauf basierend Optimierungen durchzuführen. Dazu gehören etwa Energiesimulationen, Kostenberechnungen oder Zeitplanungen. Statt zweidimensional wird bei BIM also in drei Dimensionen geplant; davon erhofft man sich einen hohen Effizienzgewinn.Ab wann lohnt sich BIM?
Bei komplexen Projekten mit einer Vielzahl an Planern sind digitale Mittel inzwischen unverzichtbar, sagt Julian. In gewissen Ländern ist ab einer bestimmten Bausumme BIM sogar Pflicht! «Es ist heute kaum mehr denkbar, grosse Bauprojekte ohne BIM zu planen.» Bei einem Einfamilienhaus ist es noch selten im Einsatz. Doch Julian hat auch schon bei solchen Projekten Architekten gesehen, die mit 3D-Modellen arbeiten.
Die grössten Vorteile
Es gibt eine ganze Menge Anwendungsfälle, die man aus den 3D-Modellen ziehen kann. Das geht von der Vorplanung über die Bauprojektausschreibung bis hin zum Facilitymanagement. Würde Julian jetzt alle Vorteile aufzählen, würde das den Rahmen des Podcasts sprengen… «Die grössten Vorteile von BIM sind in den Bereichen Qualität, Zeit und Kosten.» Einen fetten Pluspunkt gibt es in der Kostenplanung. Anhand des Modells kannst du eine komplette Kostenschätzung machen und das finanzielle Risiko minimieren. Ausschreibungen werden immer öfter mit BIM gemacht und dann mit Kostendatenbanken verbunden. Auch bei Planung und Logistik, aber ebenso bezüglich Nachhaltigkeit sieht Julian einen grossen zusätzlichen Nutzen.Schläft die Baubranche noch?
Ich bin seit 18 Jahren auf der Baustelle, seit zwölf Jahren als Bauleiter. Dennoch durfte ich noch nie mit BIM arbeiten. BIM gibt es schon seit rund drei Jahrzehnten – hinkt denn die Baubranche bei der Digitalisierung hinterher? Julian weiss aus Studien: Die Baubranche ist im Vergleich zu den anderen Wirtschaftszweigen punkto Digitalisierung immer im unteren Drittel zu finden. «Wir sind in etlichen Bereichen teilweise in den 70er-Jahren hängengeblieben.» Die Gründe dafür sind in der Natur der Baustelle zu suchen. In der Autoindustrie arbeiten die gleichen Leute quasi unter «Laborbedingungen» immer am gleichen Produkt. Hier sind Optimierungen einfacher zu erzielen. Im Gegensatz dazu ist jede Baustelle immer anders. Jedes Gebäude ist ein Prototyp. Der zweite Grund: Es geht der Bauindustrie noch immer zu gut. In den Niederlanden, wo nach der Wirtschaftskrise auch die Bauindustrie stark gelitten hatte, arbeitet man viel stärker mit BIM. Der existenzielle Druck führte dazu, dass man vermehrt nach Möglichkeiten zur Kostenoptimierung suchte und sich deshalb intensiv damit auseinandersetzte.