Für diese Folge durften wir ein Gebäude in Reiden besichtigen, das als Gewerbepark genutzt wird und in dem unser Kooperationspartner GEZE als Mieter ansässig ist. Durch das Objekt führte Alexander Brun, Architekt und Inhaber der BK Holding GmbH (BK Architekten). Sein Büro betreut den Bauherrn seit 1985 in architektonischer und bauleitungstechnischer Hinsicht. Er zeigte uns, wie eine durchdachte Planung den Rauch- und Wärmeabzug (RWA), die Türtechnik und Fensterlösungen zu einem funktionierenden Gesamtsystem verbindet.
Im Zuge einer strategischen Neuausrichtung wurde beim Objekt in Reiden entschieden, die bestehende Brandmeldeanlage bewusst ausser Betrieb zu nehmen. Dieser Entscheid hatte unmittelbare Konsequenzen: Sämtliche Anforderungen bezüglich Gebäudeversicherung mussten baulich kompensiert werden. Genau hier setzt die systematische Brandschutz-Sanierung an.

Entkoppeln von der Brandmeldeanlage
Die Stilllegung der Brandmeldeanlage erforderte ein ganzes Bündel an Massnahmen. Ziel war es, den Brandschutz ohne zentrale Brandmeldeanlage sicherzustellen und gleichzeitig die Nutzung des Gebäudes flexibel zu halten.
Ein zentrales Element war die Nachrüstung von Rauch- und Wärmeabzugsanlagen – insbesondere in den Treppenhäusern. Zum Einsatz kamen dabei RWA-Komponenten der Firma GEZE. Es wurde dort unter anderem eine Entrauchungsklappe integriert. Diese erfüllt eine klare Funktion im Ereignisfall: Die Feuerwehr kann im Notfall unten eine Taste betätigen, worauf sich die Rauchabzugsklappe öffnet. Zusätzlich wird im unteren Bereich eine Nachströmung (Zuluft) sichergestellt. Das Treppenhaus bleibt dadurch raucharm beziehungsweise wird aktiv entraucht – ein entscheidender Faktor für Personenrettung und Brandbekämpfung.

Für Bauherren ist dabei ein Punkt besonders relevant: Eine moderne RWA-Lösung sollte nicht nur den seltenen Brandfall berücksichtigen, sondern auch den Tagesbetrieb. Viele Anlagen sind rein auf die Notfallsituation ausgelegt. Hier wurde bewusst ein System gewählt, das sowohl im Normalbetrieb als auch im Ernstfall nutzbar ist – etwa zur Lüftung. Damit entsteht ein Mehrwert über die reine Brandschutzfunktion hinaus.

Brandschutztüren: Normen richtig umgesetzt
Ein weiterer zentraler Schritt war die brandschutztechnische Abtrennung des Gebäudes. Um die Entkoppelung von der Brandmeldeanlage zu ermöglichen, wurden EI30-Brandschutztüren sowie Brandwände in REI90-Ausführung eingebaut.
- EI30-Türen erfüllen eine Feuerwiderstandsdauer von 30 Minuten.
- REI90-Wände garantieren 90 Minuten Feuerwiderstand.
Diese Kombination schafft klar definierte Brandabschnitte und kompensiert den Wegfall der Brandmeldeanlage durch bauliche Sicherheit.
Besonders anspruchsvoll war dabei die Dimensionierung einzelner Türen: Eine der eingebauten Brandschutztüren misst rund 2,5 Meter in der Höhe und 3 Meter in der Breite. Solche Formate bringen erhebliche Gewichte mit sich. Nicht jeder Türschliesser ist in der Lage, diese Lasten sowohl im Normalbetrieb als auch im Brandfall zuverlässig zu bewegen und kontrolliert zu schliessen.

Die eingesetzten Türschliesser von GEZE sind vollständig regulierbar: Schliessgeschwindigkeit, Abfolge der Flügel und Schliesskraft lassen sich exakt einstellen. Gerade bei zweiflügeligen Türen ist entscheidend, dass zuerst der Standflügel schliesst und der Gangflügel erst danach freigegeben wird (Schliessfolgeregelung), damit es nicht zu einem Verkeilen kommt. Diese Feinjustierung erfolgt direkt am oberen Schliesssystem.
Im Alltag werden die Türen über einen Magneten offengehalten. Wird die Tür in Offenstellung gebracht, hält sie elektromagnetisch. Im Brandfall – oder bei Handauslösung – reagiert der integrierte Rauchmelder im Türschliesser. Die Stromzufuhr wird unterbrochen, der Magnet löst, und die Tür schliesst automatisch in der definierten Reihenfolge.
Planungspotenzial bei der Nachrüstung
Die nachträglich eingebaute Brandschutztür zeigt auch, wie wichtig es ist, Details frühzeitig in der Planung zu berücksichtigen.
Verbaut wurde ein integriertes Türband, ästhetisch hochwertig und architektonisch attraktiv. In dieser Nutzungssituation wäre jedoch ein aufgesetztes, sichtbares Band funktional günstiger gewesen. Dadurch wäre der Drehpunkt weiter aussen gelegen, was dem Türschliesser mehr Spielraum in der Geometrie gegeben hätte – insbesondere bei dieser aussergewöhnlich grossen und schweren Brandschutztür.
Für Architekten und Bauleiter ist das ein klares Learning: Ästhetik und Funktion müssen im Brandschutz immer gemeinsam gedacht werden – besonders bei grossformatigen Türen.

Fenster im UG: Umnutzung verändert Anforderung
Ein weiterer spannender Aspekt betrifft die Fenster im Untergeschoss einer Lagerhalle. Das dortige Öffnungssystem wurde vor rund zehn Jahren korrekt ausgelegt – passend zur damaligen Nutzung. Mit einer späteren Umnutzung kamen jedoch neue Anforderungen hinzu, insbesondere im Bereich Lüftung.
Hier zeigt sich ein klassisches Problem: Ein Produkt, das zum Zeitpunkt der Planung richtig war, kann bei veränderter Nutzung an seine Grenzen stossen. In solchen Fällen lohnt sich eine Neubewertung im Hinblick auf Unterhalt, Belastung der Beschläge und Kombinierbarkeit mit einer RWA-Funktion.
Kettenantrieb – die optimierte Fensterlösung
Im Obergeschoss wurde eine andere, nachträglich montierte Lösung umgesetzt. Zum Einsatz kam ein Fensteröffner von GEZE mit Ketten- beziehungsweise Kettenstossfunktion.
Das Prinzip: Die oben montierte Kette stösst den Flügel mechanisch auf – vergleichbar mit einer manuellen Öffnung. Das System arbeitet wie eine Drehflügelfunktion und erzeugt keinen zusätzlichen Druck auf die Bänder. Damit wird eine Überbelastung der Beschläge vermieden.
Ein entscheidender Vorteil dieser Lösung: Sie ist doppelt nutzbar. Das System dient sowohl der täglichen Lüftung als auch der Entrauchung im Brandfall. Damit wird das Fenster Bestandteil des Gesamtkonzepts aus Tages- und Notfallbetrieb.
Im Vergleich dazu können andere Öffnungssysteme durch direkten Druck auf den Flügel die Bänder stark belasten – insbesondere bei häufigem Betrieb. Wer langfristig denkt, sollte nicht nur die Brandschutzanforderung prüfen, sondern auch Wartung, Mechanik und Nutzungsfrequenz berücksichtigen.

Fazit: RWA ist kein Einzelprodukt
Dieses Projekt zeigt deutlich: Eine RWA-Anlage funktioniert nicht isoliert, sondern als System. Sie ist eingebettet in ein Zusammenspiel aus
- Brandabschnitten (EI30 / REI90),
- Türtechnik mit integrierter Rauchmeldung,
- Magnet-Haltesystemen,
- regulierbaren Türschliessern,
- Entrauchungsklappen im Treppenhaus,
- Lüfterlösungen,
- und intelligent ausgewählten Fensterantrieben.
Wer eine Brandmeldeanlage ausser Betrieb nimmt oder ein Gebäude umnutzt, muss brandschutztechnisch ganzheitlich denken. Entscheidend ist, dass Tagesbetrieb und Notfallbetrieb gleichermassen berücksichtigt werden.
RWA richtig geplant bedeutet, Nutzung, Technik, Wartung und bauliche Anforderungen frühzeitig zu koordinieren – und nicht erst dann zu reagieren, wenn Auflagen entstehen. Nur so entsteht Brandschutz mit System!
Planst du ein RWA- oder Brandschutzprojekt? Nimm frühzeitig Kontakt mit GEZE auf, um System, Nutzung und Normanforderungen optimal aufeinander abzustimmen.